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Freizeit auf- und an der Wupper

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In Anbetracht ihrer über große Strecken naturnahen Beschaffenheit und Lage wird die Wupper seit vielen Jahren und mit steigender Tendenz von Freizeitnutzern frequentiert; insbesondere sind dies Kanuten, Floßfahrer und Angler. Ob dies weiterhin so bleiben kann, bleibt abzuwarten. Durch als Beschwerde an den Landtag gerichtete Petitionen, könnte sich demnächst einiges bei der Freizeitnutzung der Wupper ändern. Das Verfahren zur 3. Änderung des Landschaftsplans Nr.1 "Untere Wupper" wurde vom Kreistag einstimmig beschlossen. Für den Interessierten gibt es im Aufstellungsbeschluss unter anderem Erläuterungen zu den Themen: Wasserqualität, Pegelschwankungen und klimatische Veränderungen. Lesen Sie hier den Aufstellungsbeschluss:

Allgemeines:
Der Landschaftsplan Nr. 1 „Untere Wupper“ ist seit dem 04.06.2004 rechtsverbindlich; in den Jahren 2005 und 2006 sind 2 Änderungsverfahren rechtswirksam geworden.
Handlungsbedarf  für eine 3. Änderung des Landschaftsplans hat sich aufgrund von zwei Petitionen der Fischereigenossenschaft Untere Wupper ergeben, die im September 2009 und im Februar 2010 beim Landtag Nordrhein-Westfalen (NRW) eingegangen sind.
Ausgangssituation Die Wupper ist als FFH-Gebiet DE 4808-301 (Fauna - Flora - Habitat - Gebiet) gemeldet und aufgrund der Verpflichtung durch das Bundesnaturschutzgesetz mit der Festsetzung als Naturschutzgebiet im Rahmen der Landschaftsplanung in nationales Recht überführt worden. Die Wupper zeichnet sich aus als wertvolles Fließgewässer mit naturnahen Auestrukturen als Lebensraum und Wanderstrecke für bedrohte Fischarten; von herausragender Bedeutung sind insbesondere der Mittel- und Unterlauf der Wupper mit angrenzenden, z.T. großflächigen Hangwäldern sowie lokalen Erlenuferwäldern.
Für das Naturschutz- und FFH-Gebiet Wupper ist im Rahmen des Managements die Erhaltung und Optimierung naturnaher Wupperabschnitte mit angrenzenden Hang- und Auenwäldern vorgesehen.
In Anbetracht ihrer über große Strecken naturnahen Beschaffenheit und Lage wird die Wupper seit vielen Jahren und mit steigender Tendenz von Freizeitnutzern frequentiert; insbesondere sind dies Kanuten, Floßfahrer und Angler. 
Sachverhalt Inhalt der Petitionen: Die im September 2009 an den Landtag NRW gerichtete Petition ist als Beschwerde wegen der Beeinträchtigung des Fließgewässers und FFH-Gebietes Wupper formuliert. Es wird insbesondere eine Beeinträchtigung des mit der Unterschutzstellung verfolgten Zieles einer natürlichen Entwicklung des Gewässers sowohl durch Floßfahrer als auch ungeübte Kanuten reklamiert. Mit dem ergänzenden Verweis auf unterschiedliche Regelungsinhalte in den Landschaftsplänen der Städte Leverkusen und Solingen und des Rheinisch-Bergischen Kreises ist die Behauptung verbunden, dass diese Regeln insbesondere von den gewerblichen Kanuverleihern meist nicht eingehalten würden.
Darüber hinaus wird der Vorwurf erhoben, dass in dem Gewässer wertvolle Habitatbereiche für die zu schützenden Arten (Bach- und Flussneunauge und Groppe) als auch für andere Fischarten wie Lachs und Meerforelle zerstört würden.
Absender der 2. an den Landtag NRW gerichteten Petition war neben der Fischereigenossenschaft auch der Sportangler Verein Leverkusen. Auf diese hat der Petitionsausschuss im Juli 2010 mit dem Vorschlag reagiert, den erstmals im März 2010 tagenden regionalen Arbeitskreis zu erweitern; folgende Abwicklung hat sich ergeben: Einrichtung eines regionalen Arbeitskreises bei der Bezirksregierung Düsseldorf und 1. Sitzung (März 2010) auf behördlicher Ebene. Inhalte: Betrachtung und Auswertung der derzeitigen Situation und Diskussion von Handlungsoptionen 2. Sitzung im April 2010 auf behördlicher Ebene. Inhalte: Befahrensregelungen und Regeln zum Gewässerpegel (Vorschlag des Wupperverbandes) 3. Sitzung in erweiterter Runde im Juni 2010; Ergänzung des Arbeitskreises (runder Tisch) durch Vertreter der Fischerei (Petenten und Fischereiberater) und des Naturschutzes. Inhalte: Darstellung der Positionen durch die Nutzergruppen; Lösungsansätze zu Befahrens- und Pegelregelungen.
Ergebnis Petitionsausschuss:
Der Petitionsausschuss des Landes NRW hat in seiner Sitzung am 13.07.2010 die Diskussionsergebnisse aus den regionalen Arbeitskreisen beraten und dazu eine Beschlussempfehlung ausgesprochen, die dem Rheinisch-Bergischen Kreis seit dem 31.08.2010 vorliegt.
Die grundlegende Empfehlung an die Städte Solingen, Leverkusen und den Rheinisch-Bergischen Kreis als Träger der Landschaftsplanung ist, die Landschaftspläne bezüglich des Befahrens der Wupper mit Wasserfahrzeugen zu vereinheitlichen; dabei geht es insbesondere um folgende Regelungsinhalte:
1. Mindestwasserstände am Pegel Opladen auf der Basis der vom Wupperverband er-mittelten und veröffentlichten Vortagesmittelwerte
2. Ausschluss der Wupperbefahrung zu den Tagesrandzeiten
3. Festlegung einer Obergrenze für die Größe und Anzahl zulässiger Wasserfahrzeuge
4. Verbot des Einsatzes von Stakhölzern
5. Vorgeschriebene Begleitung sachverständiger und anerkannter Naturführer bei Kanu-touren und entsprechende Einbindung gewerblicher Kanuanbieter; d.h. künftig soll nur unter Begleitung anerkannter Tourleiter gefahren werden.
6. Keine weitere Zulassung von Floßveranstaltungen
Für den Rheinisch-Bergischen Kreis bedarf es dazu eines formellen Landschaftsplan-Änderungsverfahrens (3. Änderung des Landschaftsplans Nr. 1 „Untere Wupper“).
Weiteres Verfahren Von den Petenten sind in der Beschwerde an den Petitionsausschuss verschiedene mögliche Beeinträchtigungen der Wupper aufgeführt, für die es jedoch bislang keine fachlich begründeten Belege gibt. Insbesondere fehlen konkrete Hinweise auf örtlich nachvollziehbare Standortangaben zu wertvollen Habitatbereichen im Gewässer- und Uferbereichen der Wupper, wo z.B. die nachhaltigen Eingriffe in Laichgruben von Neunauge und Groppe stattfinden könnten.
Die von den Petenten vorgetragenen vermeintlichen Beeinträchtigungen bedürfen insoweit einer näheren Prüfung bzw. fachlich fundierten Untersuchung.
Die Biologische Station Mittlere Wupper untersucht im Auftrag der Städte Remscheid und Solingen seit einigen Jahren das Fließgewässer der Wupper und erfasst damit auch naturschutzfachliche Rahmendaten zur Lenkung des Kanu- und Angelsports im FFH-Gebiet.
Das Untersuchungsgebiet beschränkt sich jedoch auf die Flächenanteile der Städte Solingen und Remscheid im Verlauf der Wupper.
Etwa seit dem Jahre 2004 ist nach diesen Untersuchungsergebnissen ein stetiger Rückgang von Unterwasserfluren im Gewässer der Wupper registriert worden; definitive Gründe dafür sind jedoch nicht bekannt. Für den Rückgang können daher – neben den in der Petition den Kanu- und Floßfahrten zugewiesenen Störungen - als mögliche Ursache verschiedene Wirkfaktoren in Frage kommen.
Erläuterungen:
1. Wasserqualität: Obwohl sich die Qualität des Wupperwassers in den vergangenen Jahren stetig verbessert hat, ist die Wupper unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. So werden regelmäßig gereinigte Abwässer aus den Klärwerken des Wupperverbandes eingeleitet. Zudem ist das Wupperwasser unregelmäßigen thermischen Schwankungen aufgrund der Entnahme und Zuleitung von Wasser aus Kraftwerken ausgesetzt. Bei starken Niederschlägen können zudem Abschläge aus Regenwasserüberlaufbecken in die Wupper und ihre Nebenbäche gelangen. Auch muss davon ausgegangen werden, dass aufgrund der erheblichen Gewässerbelastungen durch hochtoxische Einleitungen in der frühen industriellen Phase im Uferfiltrat der Wupper noch Gifte eingelagert sind, die z.B. bei Turbulenzen aufgrund von Hochwässern zu Gewässerbelastungen führen können. Bis heute erfüllt die Wupper im Übrigen nicht die Anforderungen für ein Badegewässer gem. EU-Richtlinie.
2. Pegelschwankungen: In der Petition werden häufige Verstöße der Kanu- und Floßnutzung und damit die Unterschreitung eines Mindestwasserstandes angeführt. Die auch im Tagesverlauf zu registrierenden Schwankungen des Pegels konnten bis-her aus wasserwirtschaftlicher Sicht nicht eindeutig geklärt werden. Da die Wupper ein Fluss ist, der durch das Abflussregime einer Talsperre beeinflusst wird, ist eine Vergleichbarkeit mit einem natürlichen Abflussverhalten von Gewässern nicht gegeben. Vielmehr wird die Steuerung der Talsperre je nach klimatischer und wasserwirt-schaftlicher Situation auf die bestehenden Verhältnisse angepasst. Bei Trockenwetter sind aufgrund der unterschiedlichen Wasserverbräuche starke Schwankungen der Kläranlagenabläufe zu verzeichnen; in diesen Trockenzeiten kann ein großer Anteil des Gesamtabflusses der Wupper aus den zuvor genannten Kläranlageneinleitungen bestehen. Zusätzliche Schwankungen des Pegels können durch andere Entnahmen aus der Wupper bzw. durch Einleitungen in die Wupper hervorgerufen werden.
3. Klimatische Veränderungen: Ausgeprägt trockene Sommer waren in den Jahren 2003 und 2009 zu verzeichnen. Für das Jahr 2008 ist zu registrieren, dass die Monate April bis Juni deutlich trockener als im Mittel waren. Für die trockenen Jahre sind häufigere Unterschreitungen des Pegels < 60 cm zu verzeichnen. Gleichwohl kommt der Wupperverband zu dem Schluss, dass aus wasserwirtschaftlicher Sicht keine eindeutige Tendenz zu erkennen sei, dass der Pegel Opladen in der letzten Zeit deutlich niedrigere Wasserstände anzeigt als in den Jahren zuvor. Gleichwohl sind häufige Pegelschwankungen die wesentlichen Gründe für beobachtetet Verstöße bei der Kanu- und Floßnutzung auf der Wupper. Inwieweit Auswirkungen der generellen Klimaveränderungen für den verzeichneten Rückgang von Unterwasserfluren im FFH-Gebiet Wupper verantwortlich sind, ist bis-her nicht näher untersucht worden.
Im Verlauf der Regionalgespräche bei der Bezirksregierung Düsseldorf hat der Rheinisch-Bergische Kreis angemahnt, die Diskussion möglicher Beeinträchtigungen nicht einseitig auf das Befahren mit Kanus zu reduzieren. Neben den zuvor aufgeführten möglichen Ursachen für Gewässerbelastungen sind weitere Störpotentiale, wie bestimmte Formen der Fischereiausübung und das Baden von der Biologischen Station Mittlere Wupper angesprochen worden; dazu gehört auch die Belastung des Gewässers durch Graskarpfenbesatz. Diese Faktoren fanden in den Regionalgesprächen leider keine Berücksichtigung.
Um die in der Petition empfohlene inhaltliche Vereinheitlichung der Landschaftspläne mit der gebotenen Sorgfalt umsetzen zu können, sieht die Verwaltung die Notwendigkeit, in einem vorbereitenden Schritt vorerst bestimmte Wirkfaktoren untersuchen zu lassen. Dies auch, da entsprechende Untersuchungsergebnisse für die Wupper für das Gebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises bisher nicht vorliegen. Insbesondere sollen
Erläuterungen:
Standorte von Unterwasserfluren erfasst werden, um sie bei künftigen geführten Kanutouren umfahren zu können Belastungsfaktoren im Gewässer insbesondere durch Badebetrieb und die Fliegenfischerei und der Fehlbesatz durch nicht heimische Fischarten untersucht werden.
Die Verwaltung beabsichtigt daher, in einem vorbereitenden Schritt für die Änderung des Landschaftsplans eine gutachterliche Untersuchung in Auftrag zu geben, um die Belastungssituation der Wupper durch bestimmte Wirkfaktoren zu erfassen .
 
   
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